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Rat- und Wachthaus
Um 1420 erstmals erwähnt, 1733/65 wiedererbaut,
1860 Wachthaus,
1925/27 Horber Bilderbuch
Der 1277 erstmals genannte Horber Marktplatz
hat die Form eines Straßenmarktes, der sich am Scheitelpunkt der
Marktstraße verbreitert und sich wieder bei der Einmündung der
Wintergasse verjüngt. Das Rathaus wird erstmals in dem um 1420 niedergeschriebenen
Horber Stadtrecht erwähnt. Sämtliche Häuser am Markt wurden
nach dem großen Stadtbrand 1725 auf dem Brandschutt der mittelalterlichen
Oberstadt wiedererrichtet, wobei man dem 1733 begonnenen Rathaus erst vierzig
Jahre nach dem verheerenden Feuer den obersten Stock aufsetzte. 1860 erwarb
die Stadt ein Nachbargebäude, in dem man neben dem Arrestlokal auch
die Wache für die beiden Nachtwächter einrichtete. Das neue Rat-
sowie das angrenzende Wachthaus wurden allerdings erst durch ihre Bemalung
1925/27 zu einem besonderen Schmuckstück am oberen Marktplatz. Auf
den Giebelseiten der beiden Häuser gestaltete der heimische Kunstmaler
und Bildhauer Wilhelm Klink das sogenannte Horber Bilderbuch, das mit seinen
Wappendarstellungen und Portraitmedaillons viel von der Historie der Neckarstadt
und deren bedeutenden Söhnen zu berichten weiß. Dem blumenumkränzten
Horber Stadtwappen streben ein biedermeierlicher Hochzeits- sowie ein Handwerkerzug
zu, in dem sich zahlreiche Portraits aus der damaligen Einwohnerschaft
finden lassen. Über der Kreuzigungsszene erblickt man unterhalb der
Giebelspitze mit dem dreieckigen Strahlenkranz und dem hebräischen
'Jahve' ein altes christliches Symbol für die Dreifaltigkeit. Die
lustigen Sprüche hat der damalige Lateinschullehrer Dr. Stefan Lösch
verfasst, und die Aufschriften Recht, Treue, Liebe sowie Fleiß erinnern
die Horber stets an die wichtigsten bürgerlichen Tugenden. Das Horber
Bilderbuch konnte dank einer großzügigen Spende der Firma Brueninghaus
Hydromatik in den Jahren 1998 und 2000 durch den Kultur- und Museumsverein
restauriert werden. |